Christiane Fichtner

Foto Christiane Fichtner 011

Biografie 011

Text:
Konradin Kunze
Kostüm:
Caro Volles
Maske:
Madlén Grothe
Foto:
Kay Michalak




Biografie 011

 

Christiane Fichtner wird am 25.05.1974 in Osnabrück als zweite Tochter von Gesine Kirnich-Fichtner und Kai-Uwe Fichtner geboren. Ihr Vater unterrichtet als Dozent für Landschaftsplanung an der dortigen Fachhochschule, ihre Mutter hatte vor der Geburt ihrer ersten, schwer behinderten Tochter Olivia als Notarin gearbeitet. Schon bald fühlt sich Christiane mitverantwortlich für ihre ältere Schwester, die sie mit Hingebung umsorgt. In der Schule zeigt sie gute Leistungen, gilt aber wegen ihrer zurückhaltenden Art als Außenseiterin. Nach dem Abitur 1993 besucht Christiane zunächst einige Monate eine Sprachschule in Besançon/Frankreich. Schließlich verpflichtet sie sich zu einem "freiwilligen sozialen Jahr" im SOS-Kinderdorf Abomei-Calavi in Benin, muss aber nach einer Malaria-Infektion vorzeitig nach Deutschland zurückkehren. Christiane wohnt wieder bei ihrer Familie, jobbt in ihrem Lieblingscafé und als Aushilfe in einem Blumenladen. Sie tut sich schwer mit der Berufswahl, beginnt 1995 auf sanften Druck der Eltern ein Studium der Kulturwissenschaften in Münster. Im Gegensatz zu ihren Auslandsaufenthalten vermisst sie ihre Familie kaum und entdeckt in ihrer Frauen-Wohngemeinschaft ihre homosexuelle Veranlagung, die sie sich jedoch nur zögernd eingesteht und zunächst ihrer Familie verheimlicht. Bei einer Regiehospitanz am Stadttheater lernt sie die Requisiteurin Bianca Lech kennen und lieben. In der freizügigen Theaterwelt blüht sie auf, verfolgt ihr Studium nur halbherzig und spricht einige Male erfolglos an Schauspielschulen vor. Bei einer Urlaubsreise in den Niederlanden kauft die sechs Jahre ältere Bianca von ihrem Erbe spontan ein Hausboot in Amsterdam. Sie kündigt ihren Job am Theater und drängt Christiane, ihr ungeliebtes Studium abzubrechen und mit ihr in das Hausboot zu ziehen. Christiane bleibt jedoch ein weiteres Semester in Münster, um ihr Vordiplom zu machen. Anschließend berichtet sie ihren Eltern von ihrer Liebesbeziehung zu Bianca und ihrem Plan, ihr Studium aufzugeben und in den Niederlanden zu leben. Diese reagieren befremdet, respektieren aber Christianes Entscheidung. Allerdings kommen sie nun nicht mehr für ihren Lebensunterhalt auf. Im Frühjahr 1999 zieht Christiane zu Bianca nach Amsterdam, die auf dem Hausboot kunsthandwerkliche Töpferware und handgemalte Postkarten verkauft. Ihren Umzug, die Ankunft und ihren ersten Monat auf dem Hausboot dokumentiert Christiane mit einer Art Video-Tagebuch für ihre Familie ("zu b in a"). Ein mit Bianca befreundeter Fotograf überredet Christiane, das Video in seiner Ausstellung zu präsentieren ("Part 8" Bert Duisenberg – Galerie Fons Welters, Amsterdam). Christiane arbeitet ehrenamtlich als Aufsicht in verschiedenen Kulturzentren in Amsterdam sowie im Museumsshop des Stedelijk Museum. Parallel dazu entstehen weitere dokumentarisch-biografische Videoarbeiten, in denen sie sich vornehmlich mit ihrer Lebenssituation, ihrer Partnerin und ihrer Familie auseinandersetzt (u.a. "neuer hund", 2000; "b in zee", 2001). Im Sommer 2002 fährt Christiane mit ihrer behinderten Schwester Olivia im VW-Bus nach Griechenland. Dabei entsteht die Video-Arbeit "o c ellada" und die Klangcollage "oliviaolio". Beide Arbeiten sind bei der Gruppenausstellung "Summer Exhibition 2003" in der Amsterdamer Art Affairs Galerie zu sehen. Bald darauf folgt die erste Einzelausstellung ("c" – Galerie Fons Walters, Playstation, Amsterdam). Am 1.4.2004 heiraten Christiane und Bianca, die wieder als Requisiteurin an der Stadsshouwburg Amsterdam arbeitet. Kurz darauf ziehen sie in ein Haus in Haarlem, behalten das Hausboot jedoch als Atelier und private Galerie. 2005 tritt Christiane als Live-Video-Performerin bei zwei Produktionen der Theatergruppe Wederzijds auf. Zurzeit arbeitet sie an einer umfangreichen Videoarbeit über ihre Eltern.

 

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