Christiane Fichtner

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Biografie Christiane Fichtner


Christiane Fichtner wurde am 25.5.1974 in Reykjavik/Island als Tochter des Hochseefischers Einar Rydnyk und der deutschen Ethnologin Anna-Maria Fichtner geboren. 1978 trennten sich die Eltern. Christiane Fichtner lebte mit ihrer Mutter fortan zunächst in Hamburg, später in Konstanz und Kassel. Als Kind erschien sie unauffällig, still und war anfällig für Krankheiten. In der Schule interessierte sie sich ausschließlich für Philosophie und Religion. Den Kunstunterricht boykottierte sie stets. Mit 13 schloss sie sich einer Gruppe von Sprayern an, die unter anderem die Kasseler Orangerie großflächig "verzierte".

Sechzehnjährig lief sie von zu Hause weg, wo ihr das Zusammenleben besonders mit dem Stiefvater, einem erfolgreichen Bauunternehmer, unerträglich geworden war. Sie lebte bis zum Abitur in Berlin in einem der letzten von Hausbesetzern bewohnten Altbau. Im Verlauf der 1. Mai-Demonstration 1993 wurde sie von der Polizei als Steine-werfendes Mitglied einer Anarchistengruppe identifiziert, verhaftet und später zu einer Geldstrafe verurteilt.

1994 lernte Christiane Fichtner beim Trampen einen kenianischen Architekturstudenten kennen, der sich sein Studium finanzierte, indem er deutsche Luxuslimousinen in seine Heimat überführte. Sie beschloss kurzerhand, mit ihm nach Kenia zu fahren und blieb zwei Jahre dort. Sie jobbte als Deutschlehrerin in Nairobi. Dort lernte sie den in seiner Heimat sehr populären Künstler Kivuthi Mutu kennen, den sie bald darauf heiratete. Sie begann mit Ton, Stoffen, Fasern und mineralischen Farbpigmenten zu arbeiten.

Mit der "Konkurrenz" seiner Frau kam Mutu nicht zurecht. 1996 trennte sich das Paar. Christiane Fichtner reiste mit zwei Koffern voller Ton- und Textilobjekte nach Deutschland zurück. Sie lebte zunächst bei ihrer Mutter. 1997 zeigte sie im Rahmen einer "Gegendokumenta" erstmals öffentlich einige ihrer Arbeiten, die als Beispiele für eine neue, "von der Postmodernen vollkommen unkorrumpierte magische Innerlichkeit" (P-Ars) gefeiert wurden. Sie lebte für mehrere Monate in dem mittelhessischen "Künstlerdorf" Burkhardroth, wo sie 1998 zur Künstlergruppe ENAF stieß. Das künstlerische Programm der Gruppe, der Recyclingkünstler und Kunhsttheoretiker angehörten, lautet: Es gibt zu viele Kunstwerke auf der Welt. Die Grundidee der Reduktion faszinierte Christiane Fichtner und inspirierte sie. Medial beachtet wurden ihre rituellen "Bilderverbrennungen" (1999 in Frankfurt, 2000 in Duisburg und Klausenburg/Rumänien) und die selbstreferenzielle Installation "Reduce to the max" (2001 in Hamburg und Krems/Österreich).

Konsequent war schließlich ihr Weg nach Bremen, an die dortige Hochschule für Künste. Hier, speziell in der Klasse von Rolf Thiele arbeitete sie unter anderem mit Arrangements von Büchern und einem betagten Traktor. Die radikale Schlussfolgerung aus ihrer bisherigen künstlerischen Biografie lautet: Die eigentliche künstlerische Arbeit besteht im Akt des Nachdenkens über den Kunstbegriff selbst und in seiner ständigen Fortentwicklung.

 

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Text: Burkhard Straßmann
Kostüm:
Ute Grenz
Maske:
Ilka Renken
Foto:
Nikolai Wolff