Christiane Fichtner

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Biografie Christiane Fichtner

Christiane wurde am 25. Mai 1974 in Essen geboren. Sie wurde schon von einer munteren Familie erwartet. Die Mutter arbeitete als Souffleuse im Stadttheater Gelsenkirchen. Der Vater als Ohrenspezialist im Essener Klinikum. Die Zwillingsbrüder waren sechs Jahre alt. Hofften dringend auf weiteren Zuwachs für ihre Bande.

Als sie sprechen lernte, war sie zuerst sehr schwer zu verstehen. Sie flüsterte. Flüsterte ihre Freude und ihren Ärger in die Welt hinein. Nach gründlichen medizinischen Untersuchungen wurde eine Verkümmerung der Stimmbänder ausgeschlossen. Ein Freund der Familie löste das Rätsel. C.F. flüsterte, weil dann alle still waren und ihr konzentriert zuhörten. Diese Ange-wohnheit legte sie erst in der Schule ab, als sie ihre Freundin Anita kennen lernte. Anita spielte Volleyball und brauchte dringend ihre Zurufe vom Spielrand. So entfaltete sich nach und nach Christianes Stimme. Das ging so weit, dass sie im Gospelchor der katholischen Kirche ein Solo sang.

Für die Brüder war sie nicht das ersehnte Bandenmitglied. Sie hatten sich mehr unter einer Schwester vorgestellt. Nicht so ein krabbelndes Wesen erwartet. Immerhin ließen sich aus ihrem dicken Blondhaar gute Pinsel anfertigen. Ihrem Geflüster konnten sie viel abgewinnen. Denn Christiane flüsterte ihnen damit wunderschöne, geheimnisvolle Geschichten zu.

Geheimniskrämerei und Abenteuer wie Spinnenfangen lagen ihr dagegen nicht. Sie kümmerte sich lieber um die Einrichtung des Baumhauses. Bemalte die Lattenwände von innen und außen. Machte aus alten Kleiderstoffen Gardinen und Teppiche. Baute aus Kisten Regale und Bänke. Pflanzte einen Garten rund um den Walnussbaum. Träumte ihre Tage rund.

Christiane saugte das Leben im Theater wie ein trockener Schwamm auf. Oft saß sie zu Füßen ihrer Mutter und betrachtete die Bühne von unten. Aus dem Loch heraus. Erkannte alle Schauspieler an den Füßen. Kannte das ganze Stück. Flüsterte oft ganze Passagen mit. Am meisten wünschte sie sich, bei einer Premiere dabei zu sein. Doch daraus wurde nichts. Sie musste immer schlafen gehen.

Der Schule konnte sie schon früh nichts abgewinnen. Sah es nicht ein, Schreiben zu lernen. Sie wollte später nur mit der elektrischen Schreibmaschine schreiben und brauchte dieses Gekrakel nicht. Sie wusste früh, dass sie keinen Beruf der Mathematik anstrebte. Dagegen machten ihr Geschichte, Sprachen und Kunst wirklich Freude.

Mit vier Jahren wollte sie Prinzessin werden. Mit zehn Jahren Försterin oder Märchenerzählerin. Mit vierzehn Jahren wurden die Nachbarsjungen interessant und das neueste Outfit. So entdeckte sie den Beruf der Friseuse. Suchte sich eine Lehrstelle in der Innenstadt. Schnell wurde ihr der Alltag im Salon zu eng. Sie baute mit Vorliebe die verrücktesten Gebilde aus Haar. Befestigte alles mit Draht. Drapierte Stoffe dazwischen, entwickelte so Haarskulpturen. Schminkte ihre Freunde zu Karneval aufwändig und phantasievoll.

Nachdem sie die Lehre zur Friseuse abgeschlossen hatte, wollte sie mehr. Bewarb sich im Stadttheater Köln für ein zweijähriges Volontariat zur Maskenbildnerin. Ihr geheimer Berufswunsch war es, für ein Musical zu arbeiten.

Parallel dazu gründete sie eine Straßentheatergruppe in Ehrenfeld, die "Stadtlöwinnen". Entwickelte dort eigene Stücke, Kostüme und Masken. War Schreiberin, Regisseurin und Darstellerin zugleich. Die Gruppe wurde Bestandteil der Szene. Hatte in diesem Rahmen gute Erfolge.

Durch die Vielfalt der Impulse wuchs sie weit über ihren bisherigen Alltag hinaus. Schon vor der Abschlussprüfung bewarb sie sich bei "the akademie"in Berlin für die Befähigung zur Theaterpädagogin. Wollte mehr über die Möglichkeiten von Theater, Tanz, Bewegung lernen. Um die eigene Sprache zu nutzen, zu kombinieren. Wollte inszenieren. Dazu das Methodenrepertoire der künstlerischen Arbeit im Transfer auf verschiedenen Praxisfeldern erweitern. Für die Kinder, Jugend und Erwachsenen nutzbar machen.

Bestand die Abschlussprüfung beim Verband der Maskenbildner mit besonderer Auszeichnung. Fand einen Verlag, der ihr letztes Stück verlegte. Zog nach Berlin zum Prenzlauer Berg. Dass zwei Bühnen ihr Stück spielten, gab ihr Auftrieb. Sie arbeitete weiter an freien Stücken. Zuerst für die Bühne, dann für den WDR. Machte sich einen Stempel: Christiane Fichtner, Bühnenautorin.

Abschluss als Theaterpädagogin. Bereits neben ihrem Studium nahm sie Arbeiten als Regisseurin an. Entwickelte einen Film zum Thema Frauenfußball. Dieser Film wird auf der diesjährigen Berlinale gezeigt. Sie ist heute eine anerkannte Autorin und Regisseurin für Film und Fernsehen. Arbeitet u.a. für den WDR und Arte.

 

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Foto Christiane Fichtner 007

Biografie 007

Text: Olivia König
Kostüm:
Jutta Delorme
Maske:
Ilka Renken
Foto:
Gaby Ahnert