Christiane Fichtner

Biografie 009


Biografie Christiane Fichtner


25.05.1974: geboren in Paderborn, katholische Familie. Vater: Thomas, Rechtsanwalt. Mutter: Angelika, Hausfrau und Vorsitzende der Kirchengemeinde. Geschwister: Bettina, Andrea, Markus. Die Rollenverteilung innerhalb der Familie entspricht traditionellen Mustern. Die Schwestern müssen bei der Hausarbeit helfen, während der jüngere Markus gegen seinen Willen auf Autos und Sport getrimmt wird. Der Vater von Christiane verbringt wenig Zeit mit der Familie. Wenn er zu Hause ist, bestimmt er das Familienleben und Christianes Mutter widerspricht ihm nicht. Über Probleme und Emotionen wird nicht geredet. Die Kinder lernen alle ein Musikinstrument, Bettina nimmt Ballettunterricht. Christiane reitet und nimmt Fotokurse an der Volkshochschule. Junge Jahre: 1980-1993: Schulbildung mit Abitur-Abschluss, Note: 1,9. Stellvertretende Schulsprecherin und Mitglied des Stadtschülerrates. Leistungsfächer: Deutsch und Mathematik.

1992: Tod der älteren Schwester Bettina durch einen Autounfall, der von einem betrunkenen Autofahrer verursacht wurde. Christianes Mutter glaubt, es sei eine Strafe Gottes. Beide Eltern reagieren auf den Unfall mit verstärkter Aufsicht über die anderen Kinder. Der Konsum von Alkohol wird vollständig verboten, Christiane darf abends nicht mit ihren Freunden ausgehen. Männliche Bekanntschaften werden regelmäßig ausführlich befragt, wenn sie zu Besuch kommen. Christiane fühlt sich eingeengt und erhofft sich eine Befreiung durch das Studium.

1994-1998: Christiane studiert Betriebswirtschaft an der Philipps-Universität, Marburg an der Lahn. Sie studiert in der kürzesten Zeit, die möglich ist, und vergeudet keine Zeit mit Auslandsstudien oder Ähnlichem. Im ersten Jahr hat sie Stefan kennen gelernt, ein junger Jurist aus gutem Hause. Christianes Eltern sind begeistert – die Hochzeit ist schon geplant. Christiane und Stefan haben mehrere Urlaube zusammen verbracht – Skifahren in der Schweiz, Ausflüge nach Südfrank-reich, sogar eine Pauschalreise in die Dominikanische Republik, wo sie Strandurlaub machen. Grundsätzlich scheint alles in bester Ordnung zu sein.

1999: Christiane bekommt einen gut bezahlten Job bei einem Arbeitgeberverband in Frankfurt am Main. Stefan fängt bei einer Großkanzlei an. Sie suchen sich eine gemeinsame Wohnung. Durch die Arbeit sehen sich Christiane und Stefan nur wenig und leben sich langsam auseinander, meint Christiane. Im Fitnesscenter lernt sie zufällig eine junge Frau kennen, Anja, die Kunst studiert hat und die Christiane in etwas „andere“ Kreise in Frankfurt einführt. Sie lernt Leute kennen, die ihre Kunst mit Gelegenheitsjobs finanzieren, und die nicht den von ihr als selbstverständlich gesehenen Lebensweg anstreben. Insbesondere verbringt sie viel Zeit in einer 5er WG, bei der oft abends viele Leute zum Essen kommen – mit oder ohne Einladung. Stefan hat kein Interesse daran und ist nur mäßig begeistert über die neuen Freunde seiner zukünftigen Braut. Christiane verbringt immer mehr Abende bei Anja und ihren Freunden, bei Rotwein und Diskussionen. Zum ersten Mal fängt Christiane an, ihren Lebensweg zu überdenken und in Frage zu stellen. Sie fängt an, Tagebuch zu führen und zu zeichnen.

2000: Christiane wird schwanger. Große Freude bei Stefan und ihren Eltern. Stefan macht ihr sofort einen Heiratsantrag. Christiane möchte das Kind nicht bekommen und spricht eine Abtreibung an. Bei ihrer Familie stößt sie damit auf Entsetzen. Stefan fällt aus allen Wolken und wirft ihr vor, die Entscheidung durch den schlechten Einfluss ihrer neuen Freunde getroffen zu haben. Christiane verlässt Stefan, zieht in ein kleines Zimmer in Niederrad und entscheidet sich für die Abtreibung. Klaus von der 5er WG kommt mit ins Krankenhaus und kümmert sich um sie in den folgenden Tagen. Er wird öfter von seinem ihn besuchenden englischen Freund begleitet. Nick, der ehemals bei Unilever in der PR-Abteilung gearbeitet hat, hat seine Arbeit gekündigt, um ein Jahr lang auf Reisen zu gehen. Er und Christiane verstehen sich auf Anhieb gut. Er schlägt vor, dass sie ihn begleiten könnte. In Anbetracht der Möglichkeit, die letzten unerfreulichen Ereignisse hinter sich zu bringen, stimmt Christiane zu. Sie kündigt ihr Zimmer, kauft sich von ihren Ersparnissen eine neue Kamera und einen Rucksack.

2001: Nick und Christiane ziehen los und verbringen 5 Monate in Süd- und Mittelamerika. Christiane fotografiert viel. Als sich abzeichnet, dass das Geld irgendwann knapper werden wird, kehren sie nach England zurück. In London veranstalten sie mehrere Abende, an denen sie die von Christiane gemachten Fotos vorführen. Nick bewirbt sich bei Lonely Planet und bekommt den Auftrag, Ost- und Westafrika zu bereisen, um die entsprechenden Reiseführer zu aktualisieren. Christiane geht mit. Sie bereisen Tansania, Kenia, Uganda, Ruanda, fliegen von dort nach Senegal und setzen von dort ihre Reise fort. Schon in Kenia und Tansania fallen Christiane die vielen kunstvoll gestalteten Frisuren der Frauen auf. Sie fängt an, systematisch die unterschiedlich geflochtenen und gestalteten Haare zu fotografieren. Als die beiden nach 7 Monaten in Afrika nach London zurückkehren, stellt Christiane einen Fotoband der von ihr festgehaltenen Frisuren zusammen. Ein Verlag findet sich und das Buch findet großen Anklang. Sie bewirbt sich bei University of the Arts, London, und u.a. aufgrund des Fotobandes wird sie für einen Lehrgang für „Digital Arts“ angenommen.

2002-2004: Studium an der University of Arts. Christiane belegt auch einige Modekurse. 2005: Christiane und Nick leben noch zusammen. Er arbeitet weiterhin gelegentlich für Lonely Planet. Wenn möglich, reist Christiane mit. Sie arbeitet nunmehr als freischaffende Künstlerin, und bei Geldmangel finanziert sie sich mit Porträtfotos oder Fotos bei Fashionshows. Christiane und Nick sind glücklich.

 

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Foto Christiane Fichtner 009

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Text: Alexandra Guhr
Kostüm:
Nina Hartmann
Maske:
Tatjana Schnok
Foto:
Marcus Meyer